24 Stunden Wanderung „Entlang der Traumschleifen“

23
Jun
2019

Von der Saar über den Hunsrück und die Eifel bis ins Mittelrheintal ziehen sich die Fernwanderwege „Saar-Rhein-Steig“ und „Eifelsteig“ und rund um diese Wege gibt es die kürzeren Traumpfade und Traumschleifen. Allesamt zertifizierte Wanderwege, die einen hohen Genuss versprechen. Mitte April habe ich mich zu der 24 h Wanderung angemeldet, voller Vorfreude auf die schöne Landschaft. Ich kannte sie bisher nur aus Berichten und war nun gespannt, wie es sein würde, die Gegend im Rahmen dieses Wanderevents zu erkunden.

Der veranstaltende Verein, die TG Boppard, hat die Tour auf drei Etappen verteilt und es bestand die Möglichkeit, die Etappen einzeln oder komplett zu buchen. Man konnte also bspw. anstelle der 24 h auch nur die Tagesetappe nehmen oder sich auf die Nacht beschränken. Ein schönes Angebot, wie ich finde. Und die Teilbarkeit wurde auch angenommen.

Am Samstag, 22.06., ging es gegen halb neun morgens los. Auf das erste Stück ging es gleich mit Termindruck, da die Regionalbahn im Bahnhof Boppard um 08:47 Uhr erreicht werden musste. Der Zug hat uns dann zum Startort Emmelshausen gebracht. Mit 70 Wanderern war der Zug eigentlich auch voll, zum Glück waren nicht viele weitere Reisende am Bahnhof, die mit der Hunsrückbahn um diese Zeit fahren wollten.

In Emmelshausen ging es dann ab viertel nach neun auf die Tagesetappe von ca. 40 km Länge. Die Wege waren vom Organisationsteam am Vortag mit roter Kreide markiert worden. Da es nicht geregnet hat, waren die Markierungen auch noch alle da und ein Verlaufen eigentlich nicht möglich – doch dazu später noch mehr.

Auf fast durchgängig schattigen Wegen führte die Wanderung entlang der Traumschleifen Oberes Baybachtal und Rabenlay zur ersten Verpflegungsstelle an der Schmausenmühle. Weiter durch die Baybachklamm und den Weg mit der schönen Bezeichnung „Murscher Eselsche“. Eine Infotafel klärt auf, wie es zu diesem Namen kam: Der Höhenzug hatte einst die Form eines Esels. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte eine Explosion von Granatmunition den Esel leider kopflos.

Die Wege hier haben teilweise schon alpinen Charakter. In der Klamm gab es immer wieder seilgesicherte Stellen und auch der Weg auf den Rücken des Esels erinnerte an eine Klettertour. In Morshausen war dann die zweite Verpflegungsstelle eingerichtet. Von hier führte der weitere Weg dann erst einmal über einen gut ausgebauten Feldweg in Richtung der Ehrbachklamm. Und da ist es dann doch passiert – ich habe mich verlaufen. Es waren zwar rote Pfeile auf dem Weg, die den Abzweig nach links in Richtung Klamm signalisierten, allerdings parkte in dem Bereich ein Auto. So habe ich die Markierung nicht wahrgenommen und bin den Feldweg geradeaus weitergelaufen. Nach gut einem Kilometer, bei der nächsten Kreuzung dann die Ernüchterung: Keine Pfeile da, die den weiteren Weg markieren. Also wieder zurück (das Auto war inzwischen auch weg) und ich habe den Abzweig gefunden.

In der Ehrbachklamm wurde es dann wieder wildromantisch auf genußvollen Wegen. Aus der Klamm heraus war dann auch schon die dritte Verpflegungsstation in Sicht, an der Kaffee und Kuchen warteten oder auch Würstchen vom Grill, wer denn wollte. Bis hier waren es ca. 32 km. Und weiter ging es auf den Höhenzug hinauf und dann hinunter ins Rheintal nach Boppard. Die Tagesetappe war damit geschafft. Gute 40 km und etliche Höhenmeter -laut Ausschreiung waren es 800, ich vermute eher gute 1000 Höhenmeter- in den Beinen hat nun die Pastapfanne und ein (alkoholfreies) Bier wunderbar geschmeckt.

Nach einer Pause ging es dann ab 19:30 Uhr auf die Abendetappe. Die Traumschleife Marienberg war hier die Basis. Hoch über dem Mittelrheintal gelegen bot diese Strecke auf gut 12 km Länge etwa 500 Höhenmeter an. Dafür erwarteten die Wanderer wunderbare Tiefblicke in das Rheintal und Weitblicke auf die Höhenzüge mit den vielen Burgen. Seilgesicherte Stellen waren im steilen Schieferfels auch wieder dabei. Auf den letzten Kilometern dieser Schleife kam dann auch die Dunkelheit herein und es war Zeit für die Stirnlampen. Auch am Mittsommernachts-Wochenende 22./23.06. wird es dunkel. Auf einem schmalen Waldpfad durch die Dunkelheit führte der Weg wieder zurück zur Sporthalle in Boppard.

Nach einer Ruhepause startete dann um 00:30 Uhr die Nachtetappe. In einer großen Runde über den Bopparder Hamm, bekannt für seinen guten Wein, stellte dies mit 20 km Länge und rund 450 Höhenmetern die abschließende der drei Etappen dar. Mit einer Weinprobe in Siebenborn und einem Sektempfang an der Köhlerhütte zeigte diese Etappe, dass wir uns mitten in einem Weinbaugebiet befinden.

Das Faszinierende an den Nachtstrecken ist immer wieder der erwachende Tag. Gegen vier Uhr zeigte sich das erste Tageslicht am Horizont, kurz darauf war der erste Vogel zu hören und wenige Minuter später stimmte ein ganzes Konzert ein. Einen schönen Sonnenaufgang gab es dann um etwa 05:25 Uhr am sog. Gedeons-Eck.

Und dann ging es auch schon über einen Pfad sehr steil hinab nach Boppard. Noch eine morgendliche Runde durch Boppard und die Sporthalle war wieder erreicht. Ein gutes Frühstück sowie das ein oder andere Gespräch beschlossen dann diese Veranstaltung.

Die Teilnehmerzahlen blieben leider etwas hinter den Erwartungen zurück. Auf die Tagesetappe sind wir mit 70 Wanderinnen und Wanderern gestartet. Das ist für eine 24h Wanderung, die nicht in geführter Gruppe sondern individuell gegangen wird, wenig. Und auf der Nachtetappe waren dann nur noch 36 Teilnehmer dabei – dabei ganze 17, die das komplette Programm der drei Etappen auf sich genommen haben. Wenn man sich den organisatorischen Aufwand in der Vorbereitung und Durchführung ansieht (nicht nur die Teilnehmer, auch das Orga-Team ist 24 Stunden in Aktion), ist das schon mau. An den Teilnahmegebühren kann es nicht liegen. 20 € für eine Etappe bzw. 50 € für alle drei Etappe sind recht niedrig. Die Landschaft und die zertifizierten Wanderwege bieten auch ein ideales Feld für die Veranstaltung. Ist der Markt für Wanderungen in diesem Segment vielleicht doch inzwischen gesättigt?

Informationen zur Wanderungen durch die TG Boppard gibt es im Internet unter https://entlang-der-traumschleifen.de/

Bericht: Michael Kurmies